Sonntag, 29. März 2009

Heute ist Sonntag und draußen ist es, nach ein paar wirklich sehr schönen, sonnigen, geradezu frühlingshaften Tagen...GRAU. Der Winter hat wieder Einzug gehalten, mit abenteuerlichen Temperaturen unter 0 (-20 Mittwoch Nacht), gestern dann Schneestürmen und heute Matschwetter. Eine Finnin erklärte mir gelassen: "you know, there are four seasons in Finnland; winter, winter, winter and summer." Alles klar.
Letzten Samstag habe ich seit langem mal wieder gesungen. Und zwar dirigiert ein Erasmus-Student von der Siba den Chor der anglikanischen Gemeinde und gemeinsam mit Isabell singe ich nun in diesem mit. Wir werden an Ostern und eine Woche später im Gottesdienst singen und heute Morgen habe ich auch schon, mit einer kleineren Besetzung, im Godi mitgesungen. Es macht wirklich Spaß und die Leute der anglikanischen Gemeinde sind so nett. Teilweise sind es Finnen, teilweise auch Engländer, Australier und Amerikaner. Sie haben Isabelle und mich ganz herzlich aufgenommen und freuen sich, dass wir mitmachen.
Ich freue mich so, so, so, so sehr auf Mittwoch. Da nämlich fahren wir nach Lappland. Jucheeeeeee. Es gehen viele, viele Erasmus-Studenten der Siba mit und auch noch Studenten der Kunsthochschule von Helsinki. Ich zähle wirklich die Tage bis dorthin. Nicht, dass es mir hier nicht gefällt und dass es hier langweilig wäre, aber ich merke, dass ich Abwechslung brauche und was Anderes vor meinen Augen brauch.
Nach Lappand ist das Semester bald rum. Hier geht es nämlich offiziell nur bis Ende April, im Mai sind Prüfungen. Die Zeit vergeht so schnell...und viele Studenten reisen auch im Mai, oder manche sogar schon im April ab. Für mich ist gerade erst Halbzeit. Ich habe zwar selber keine Prüfungen, jedoch meine Mitspieler von den Kammermusikprojekten. Und dann hat meine Flötenklasse noch ein Konzert und wir fahren noch nach Tallinn und ich mache bei einem Dirigierkurs mit, der bis in den Juni hineinläuft.
Ich habe jetzt auch ein Zimmer bis Juni, meines hier im Wohnheim kann ich nur bis Ende Mai bewohnen und für den Juni kann ich jetzt ein eine WG direkt in die Stadt ziehen.
Letzte Woche war Hannes aus Freiburg zu Besuch, und gemeinsam mit ihm war ich auf Suomenlinna. Das ist eine kleine Inselgruppe vor Helsinki. Ihr Name lautet übersetzt soviel wie "Finnen-Burg". Suomenlinna war früher eine Festungsinsel, diente also als Verteidigungsstützpunkt von Helsinki. Erst wurde sie von den Schweden genutzt, dann, nach der Niederlage im Finnischen Krieg Anfang des 19. Jahhunderts von den Russen. Seit Finnlands Unabhängigkeit wird Suomenlinna auch als Wohnort für Bürger Helsinkis' genutzt, heute leben ca. 900 Menschen dort. Mittlerweile gehört Suomenlinna zum Unesco-Weltkulturerbe.
Es ist ganz, ganz schön dort, mit vielen Wiesen und Natur und man kann auf das offene Meer sehen. Hier ein paar Eindrücke:



Wir waren auch in der Felsenkirche, ebenfalls ein beliebtes Touristenziel, wie mir mein Reiseführer erzählte. Die temppeliaukio befindet sich ganz nah an der Siba, mitten im Wohngebiet und ist deswegen so eindrucksvoll, weil sie nach unten in den Fels gehauen wurde und als Dach eine großen Kuppel hat. Wir haben uns dort die Generalprobe vom Radiosinfonieorchester angehört. Ich war sowohl von der Architektur der Kirche als auch vom RSO begeistert.




Als es noch Sonne hatte *höhö* gab es Abends hier ganz, ganz tolle Farbspiele am Himmel und das Licht war ganz seltsam blau. Ich habe mir erklären lassen, dass es dafür einen Begriff gibt, nämlich die "blue hour". Ich habe nicht kapiert, wie sie zustande kommt, wer es genauer wissen will, für den habe ich hier der Link zu Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Blaue_Stunde
Jedenfalls sieht es so genial aus. Mein Foto kann es nicht so wiedergeben, wie in Original, ihr solltet vielleicht doch hierher kommen, um es in Wirklichkeit zu sehen ;-)


Die vielen Besucher in letzter Zeit waren toll, wirklich. Ich schätze es sehr, dass Freunde von mir hierherkommen!
Hier noch ein Lachen aus der Metro und viele, viele liebe Grüße,
Eva

Mittwoch, 18. März 2009

moi moi,
es waren interessante Wochen seit meinem letzten Eintrag. Mich juckt es heute in den Fingern, hier mal wieder zu schreiben, nur weiß ich nicht wo anfangen. Gerade habe ich Fotos auf meinen PC geladen und Bilder von Veranstaltungen entdeckt, die ich schon fast vergessen hatte. Aaaaaaaaaalso: nach Dominik, der eine Woche da war, kamen Tanja und Henrika aus Freiburg mich besuchen. Sie sind gestern wieder geflogen. Es war schön, Gesellschaft zu haben und abends heimzukommen und ausgiebig zu kochen und zu reden und Zeit miteinander zu verbringen.
Gemeinsam mit den beiden war ich am Samstag Abend auf einem Finnish-Folk-Music-Konzert mit - Achtung - Tanzkurs davor. Hier sind Volkstänze sehr populär und alle tanzen, jung wie alt. Es sind wunderschöne Tänze, meistens Paartänze und es sieht super aus, wenn die Tänzer sich elegant und anmutig zur live-Musik bewegen. Wir haben am Samstag finnische Polkka gelernt, urtoll. Es sah' nicht ganz so elegant und anmutig aus :-D wie wir rumgehopst sind aber es macht riesig Spaß und man kommt gut ins Schwitzen. Kurzes Szenario: wir stehen alle im Kreis, ca. 30 Leute. In der Mitte der Tanzlehrer, der auf finnisch die Schritte erklärt, zwischendurch auf Englisch erläutert, dass es garnicht so "important" ist, mit welchem Fuß man anfängt, weil man den "flow" schon spürt wenn die Musik losgeht im deier-Takt á la: ü-ka-ko, ü-ka-ko, ü-ka-ko (was eigentlich yxi, kaxki, kolme, also eins, zwei, drei heißt, aber der Finne spart gerne mal bei Wörtern). Echt scharf. Das Konzert anschließend war schön, ich fange an Folk zu mögen, es ist so entspannende, gute Musik.

Frigg (oben) und Ruuti (unten), die Folk-Bands vom Samstag

mit Tanja und Henrika im Café Tintin-Tango


Ich war außerdem in Tallinn für zwei Tage. So eine schöne Stadt. Ich war so begeistert von der Altstadt, die noch genau so steht, wie vor 400 Jahren. Von Helsinki fuhr morgens die Fähre um 8.00 Uhr los und um 11.00 Uhr ist man dann in Tallinn. Es gibt viel zu sehen, Museen, Oper, Konzerte, viel Trödel und viele, viele Restaurants. Die Preise dort sind billiger als in Finnland, was viele Finnen zum preisgünstigen Einkauf von Alkohol nutzen. Die Fähre zurück war voller betrunkener Finnen, die in ihren Trolley-Koffern den Alkohol nach Hause karren. Fast schon grotesk...aber hier ist Alkohol weniger Genussmittel, sondern für viele ein Weg, über das schlechte Wetter und die böse Welt hinwegzukommen.
Nun ja. Tallinn jedenfalls hat sich wirklich gelohnt und ich freue mich auf Mai, wenn ich mit meiner Flötenklasse dorthin fahre. Wir spielen Konzerte dort und treffen die Flötenklasse der Hochschule von Tallinn.
Hier einige Bilder von Estland:





Sehr beeindruckt hat mich auch der Ausflug nach Espoo in den Nationalpark "Nunxio". Schnee, Schnee, Schnee, ein riesiger See und Wald. Wir sind ein bisschen gewandert und ich habe dabei unheimlich Lust auf Reisen durch Finnland bekommen.








Vor zwei Wochen war Camilla Hoitenga an der Siba als Gast-Dozentin und ich habe bei ihr Unterricht genommen. Mein erster Meisterkurs :-) Der Tag war mehr als chaotisch, als ich meine Flöte ausgepackt habe kurz bevor ich drann war, konnte ich auf ihr nicht spielen, weil ein Polster kaputt war. Camilla hat super reagiert, sie hat mir ihre Flöte in die Hand gedrückt und mich darauf spielen lassen. Der Unterricht bei ihr war toll, sie hat gute Tipps gegeben und war sehr nett. Ich war kaum nervös beim Vorspielen, was mich ungemein freut nach meinen letzten Auftrittspanik-Attacken.
Meine Flöte ist wieder in Ordnung. Praktischerweise besitzt Matti, mein Lehrer hier, einen Musikladen, in dem er auch eine Werkstatt hat und hat sich noch am gleichen Tag um meine Flöte gekümmert.
So langsam, langsam wird es hier wärmer. Tatsächlich hört man morgens auch schon Vögel singen und manchmal riecht es auch nach Frühling. Ich kann's kaum erwarten, es wird so schön wenn man sich draußen aufhalten kann. Das Thermometer klettert stetig höher, heute schon 2 Grad über 0. Heute morgen lag allerdings frischer Schnee, ganz wenig. Aber ich hoffe weiter!
Heute ist Hannes nach seiner Tour durch die baltischen Staaten hier angekommen und bleibt eine Woche. Anfang April geht's für 5 Tage mit dem Asta der Siba und anderen Studenten nach Kuusamo, das ist kurz vor Lappland. Wird nochmal winterlich, aber toll - Skifahren, Langlaufen, Renntiere, Glühwein, Sauna, Feiern und nette Leute dabei. Danach ist ein weiterer Meiterkurs mit Sarah Newbold. Und dann ist auch schon Ostern. Die Zeit verfliegt doch sehr, sehr schnell.
Bald wieder mehr, viele liebe Grüße,
Eva