Um euch einen Einblick in die typpischen Maifeierlichkeiten zu geben und auch, um mir ein wenig zu sortieren, was alles geschehen ist, habe ich im Folgenden Vappu in kurze Erlebnisepisoden zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen und "Hauska Vappua"!
Donnerstag, 30. April, 13.00
gemeinsam mit Julia verlasse ich die Mensa, um einkaufen zu gehen. Beim Rausgehen aus dem R-Gebäude kommen wir nicht umhin, uns beide einen großen Sibelius-Akademie Luftballon in feschen Frühlingsfarben an die Jacke zu binden. Der Eingangsbereich ist voll mit noch mehr Luftballons und Luftschlangen und es stehen Platten mit Faschingskrapfen (munkki) und Krüge mit Sima (selbstgebrauter Faschingslimo - man nehme Zitronensaft, Zucker, Wasser, noch mehr Zucker, Rosinen, mixe es zusammen und stelle es ca. eine Woche an einen kühlen Ort. Schmeckt gut, sehr süß, angegoren und ein bisschen wie Apfelmost) bereit, an denen man sich selbst bedienen kann.
Unser Ziel ist der Alko-Laden. Am Abend sind wir auf eine Cocktailparty eingeladen und uns fehlt noch das passende Mitbringsel. Es sind viele Menschen im Alko, sehr viele. Und wir müssen lange warten. Während vor uns Finnen ihre Einfäufe bezahlen und dafür ungefähr soviel Geld ausgeben, wie eine 8-Köpfige Familie beim Großeinkauf, erhasche ich den typpischen Geruch übermäßigen Alkoholkonsums. Quelle hiervon ist eine 3er Gruppe Finnen, die direkt hinter uns anstehen. Einer möchte gerne meinen Luftballon haben, ich erkläre ihm das das nicht geht, außer er gibt mir seinen Hut - groß und quietschgelb, in Form eines Bierkrugs. Das will er nicht, also behalte ich meinen Ballon. Ein wenig später sprüht mir der Bierkrug-Typ eine Ladung Parfüm vor die Brust.
16.00
Ich komme im T-Gebäude an. Hier ist das Zimmer der Studentenunion "SAY" und hier steigt die Pre-Vappu-Party mit Sima, Munkki, Luftschlangen usw. Die meisten Studenten tragen ihren Uni-Overall (die Overalls werden normalerweise bei Uni-Parties und eben an Vappu getragen und anhand der Farbe kann man erkennen, zu welcher Uni die Studenten gehören. Der Siba-Overall ist weiß). Beim Geschenkefischen erhalte ich einen Schnappglas und frage mich, ob das ein Vorzeichen ist. Es ist eigentlich nicht viel los...

Kati und Isabelle bei der SAY Pre-Vappu-Party

Sonya und Ich beim Warten auf 18.00 Uhr...
17.30
Isabell, Kati, Nadja und ich sind am Hafen. Es ist VIEL los. Soviel, dass wir die anderen unserer Gruppe verloren haben. Ich bin froh, dass ich nicht Maschinenbau studiere, denn der dazugehörige Overall ist schweinchenrosa. Wir versuchen, durch die Menge möglichst nahe an die Manta heranzukommen (Statue in einem Brunnen, eigentlich "Havis Amanda". Ein Mädchen, das soeben splitternackt aus dem Meer gestiegen ist und gedankenverloren noch einen letzten Blick zurückwirft. Laut der Künsterin verkörpert sie Helsinki, die Tochter der Ostsee). Die Finnen mögen Luftballons, sie sind überall und genau in meinem Sichtfeld schwebt ein riesiger in Mumin-Form. Aber wir haben eine super Sicht auf die Statue und die Studenten, die in einem großen Sitzgestell an einem Kran hängen und mit Schrubber die Manta abbürsten.
18.00
"Viis, nel, kolm, kax, yx...HAUSKA VAPPUAAAAAA". Unter großem Beifall bekommt die Manta eine überdimensionale Studentenkappe aufgesetzt und Vappu hat offiziell begonnen. Die Studis in ihrem Sitzgestell schießen bunte Papierschnitzel in die Menge, der Sekt fließt in Strömen und jeder Finne mit High-School-Abschluss setzt sich stolz seine weiße Mütze auf. Der Himmel strahlt in perfektem blau, es ist einigermaßen warm und alle freuen sich ausgelassen. Ich liebe Finnland!

Menschen auf der Esplanadi, kurz vor Vappu-Anpfiff

Studis beim Warten, noch ohne aufgesetzte Kappe.


erst waschen...


...dann krönen...

...und fertig ist die Manta mit Kappe. Hauska Vappua!



Kati, Isabelle und Ich freuen uns mit.

manche schauen sich alles von oben an...

und andere zum warscheinlich 15. Mal.

von links nach rechts: Nadja, Jan, Julia, Claudia, Isabelle, Robert, Jeanine, Christian, Flore
19.00
Wir sind vor dem Dom und es ist einfach unbeschreiblich. Hier sind also die 1 Millionen Bewohner von Helsinki. Und ALLE lachen! Es scheint, als hätten sich während dem langen Winter viele Energien angestaut, die sich nun freudig und mit Hilfe von viel Alkohol entladen. Viele tragen Verkleidungen, vor mir küsst ein Hasenmann eine Hasenfrau und ich weiß von einem Freund im Pinguin-Look.
Schön! Die Leute sind so aufgeschlossen und feiern miteinander, jung und alt. Neben mir steht ein äteres Ehepaar mit vergilbten Mützen auf dem grauen Haar und Sektgläsern in der Hand. Ich finde das toll, dass sich die Generationen mischen und das eine ganze Nation seit Jahrzehnten das gleiche Ritual pflegt (wozu auch gehört, die Mütze, die jeder Finne bei seinem High-School-Abschluss bekommt, nieeeeeeeeeemals zu waschen).
Mit Nadja und Kati bleibe ich schließlich bei einer Gruppe Österreicher hängen, die Vappu ganz großartig finden und extra deshalb angeflogen gekommen sind. Wir stoßen auf die Nachbarschaft an (Cati kommt aus Ungarn, Nadja ist selber Österreicherin) und tauschen Witze aus.


Menschenmassen vor dem Dom.


Mittendrin Kati, Isabelle, Nadja und Ich..
20.30
Wir haben uns losreissen können und suchen dringend einen stillen Ort. Garnicht einfach. Die Stimmung aller ist seit Beginn von Vappu auf dem Höhepunkt und der Alkoholpegel auch.
Schließlich landen wir im MC Donald's am Banhof und stärken uns an Junk-Food. Wir sind nicht die Einzigen mit dieser fabulösen Idee, es sind auch hier viele, viele feierfreudige Menschen.
Mir fällt wieder einmal auf, dass die Finnen einfach viel mehr Geduld beim Anstehen haben, keiner meckert und führt sich auf.
22.00
Wir trudeln bei der Cocktail-Party eines Siba-Studenten ein. Es ist wie nach Hause kommen, alle vermissten und verloren geglaubten Freunde sind hier. Schön! Die große Familie ist wieder zusammen :-D. Die Stimmung ist ausgelassen und die Cocktailkreationen abenteuerlich. Draußen vom Balkon können wir nächtliches Vappu-Treiben beobachten.
2.00
Gemeinsam mit anderen Gästen mache ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof. Ich hätte nicht übel Lust, in der Stadt zu übernachten, da ich mir vorstelle, wie eine Heimfahrt im Nachtbus um diese Uhrzeit an Vappu wohl sein muss. Die Aussicht auf mein eigenes Bett siegt jedoch über die Bequemlichkeit und ich bin bereit, es mit betrunkenen Finnen und einer einstündigen Busfahrt aufzunehmen.
Es sind viele Leute unterwegs, die Nacht ist für Viele noch jung. Unterwegs treffen wir die Österreicher auf ihrem Weg ins Hotel sind. Ja, sie waren noch am Dom und Vappu ist toll!
Ich leihe mein Handy einer weinenden Finnin, der ihre Tasche abhanden gekommen ist, damit sie ihren Freund anrufen kann. Sie erzählt mir, dass sie jetzt 5 km zu ihm nach Hause läuft. Als ich ihr vorschlage, ein Taxi zu nehmen, wischt sie sich die Tränen ab und erklärt mir, dass das schon geht, sie mache das öfter und überhaupt ist Vappu und sie kommt schon heim.
Am Bahnhof stehen zwei Nachtbusse Richtung Vuosaari. Und davor ca. 100 Menschen. Eigentlich, so erklärt mir ein freundlicher Finne im gelben Overall (=Soziologie, Uni Helsinki) währen beide Busse schon voll, aber man müsste nur seine Ellbogen benutzen, dann ginge das schon. Er hilft auch gleich mit, uns einen Weg durch die Massen zu bahnen. Habe ich nicht noch vorhin die Geduld der Finnen beim Anstehen gelobt?
Zum Glück gelingt es mir noch, den Busfahrer zu überzeugen, dass er mich mitnimmt. Die Fahrt geht überraschend schnell, die Passagiere sind relativ ruhig und ich treffe im Bus meine Nachbarn. Wir sind uns einig, dass Vappu toll ist.
3.30
Ich falle in MEIN Bett und bin augenblicklich eingeschlafen, während draußen die Morgenröte aufkommt. Es verspricht ein schöner Tag zu werden...
8.00
...vielleicht auch nicht, zumindest fühle ich mich beim Aufstehen nicht so. Nach einer kalten Dusche geht's besser. Ich habe Hunger, will aber nicht Frühstücken, weil wir uns dazu im Kaivopuisto-Park treffen. Ich bin spät drann und so nicht unglücklich, als ich per SMS gefragt werde, ob wir uns nicht doch eine Stunde später treffen wollen. 9.15 Uhr war auch ein zu hoch gestecktes Ziel.
10.00
Ich treffe Isa, Jeanine und Kati am Bahnhof und wir machen uns auf den Weg zum Park. Die Straßenbahn ist überfüllt, ALLE haben heute nur ein Ziel. Und den meisten geht es glaube ich ähnlich, zumindest erkenne ich viele müde Augenpaare und ich hoffe, ich rieche nicht so wie mein Nebensteher. Wir entscheiden uns dafür, die Straßenbahn früher zu verlassen.
11.00
Wir haben's geschafft. Vor uns liegt der Kaivopuisto und ist nicht wieder zu erkennen. Überall stehen Pavillions der verschiedenen Studentenasten und es sind viele Menschen am Picknicken. Nach kurzer Suche finden wir zum Pavillion der SAY und machen es uns gemütlich. Es gibt Suppe, Brot, Käse, "Meeeeeeeeeatballs", wie Christian unter fröhlichem Rufen entdeckt und dazu wird uns Sekt angeboten, den ich aber dankend ablehne. Cati und Isabelle haben von zuhause Salate und Kekse mitberacht und für den Vitamin C-Haushalt sorgt Orangensaft. Ich schlafe ein bisschen in der Sonne.
12.30
Der Park füllt sich. Immer mehr Menschen kommen. Das ist Tradition, wie uns Sera und Sanna von der SAY erklären. An Vappu macht man eigentlich nichts anderes, wie Picknicken gehen. Und dabei Sekt trinken. Und manchmal noch ein 1.Mai-Konzert besuchen.
Die Finnen sind, was das Picknicken im Park angeht, wirklich professionell und richten sich darauf ein, studenlang dort zu bleiben. Ich staune über Gartengarnituren, die auf Leiterwägen angekarrt werden.
Am SAY-Zelt trudeln immer wieder Siba-Studenten ein und lassen sich in der Sonne nieder.
13.00
Mir wird es zu laut, ich bin müde und merke die kurze Nacht deutlich. Eigentlich finde ich Massenpicknicks toll, aber nicht, wenn es so eng ist, dass der Fuß des Nachbarn in meiner Suppe hängt. Wir entscheiden uns, zu gehen.

Picknick im Kaivopuisto.

Platz vor dem Zelt der SAY.



Isabelle, Kati, Christian, Robert und Ich genießen die Sonne.
14.00
Wir sind im Hesperian-Park. Hier sind viel weniger Leute, es ist ruhiger und in der Sonne lässt es sich herrlich dösen. Und die Reste vom Nudelsalat schmecken herrlich :-)
Es hat auch was, einen ganzen Tag nichts zu machen...
18.30
Die Sonne verschwindet langsam hinter den Häusern. Zeit, zu gehen. Wir sind uns einig, dass wir heute keine Koch-Spiele-Feier-Gelegenheit brauchen, sondern es etwas ruhiger angehen lassen.
In der Metro treffe ich auf drei Finnen und einen Amerikaner. Es sei toll dieses Jahr, weil Vappu an einem Freitag ist und ja noch Samstag und Sonntag zum Trinken, äh Feiern bleiben. Prima!


Weniger Menschen, mehr Sonne...mit Cati und Isa im Hesperian-Puisto.
Ach, es war schon toll. Wer mehr über Vappu lesen möchte, hier ist der Wikipedia-Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Vappu
Ich bin froh', dass ich diesen Tag hier erleben konnte.
Auf bald, ihr Lieben,
Eva
