Freitag, 5. Juni 2009

ein Monat später...

Moikka,

der Mai ist rum, Juni da und ich bin noch eine Woche hier. Am 16. fliege ich zurück nach Deutschland. Vielleicht habe ich mal geschrieben, dass die Vorlesungen und alle Veranstaltungen an der Akademie offiziell im Mai aufgehört haben. Nichts desto trotz war Mai für mich der Monat, in dem am meisten los war und ich soviel zu tun hatte, wie noch nie seit ich hier bin. Angefangen damit, dass meine Flötenklasse zum lang geplanten Konzert-Austausch nach Tallinn fuhr. Wir, das waren 5 Schülerinnen, unser Lehrer Matti natürlich und die Pianistin Marja. Ich war ja bereits im Februar in Tallinn, wusste also, was mich erwartet...dachte ich zumindest. Denn Tallinn ist, genau wie Helsinki, im blühenden Frühling nicht wieder zu erkennen. Viel viel Grün, Cafés mit Tischen draußen, Open-Air-Bühnen und ein Mittelalter-Markt machten die Stadt noch viel schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Wir sind Dienstag Mittag hin, mit dem Schnellboot (1,5 Stunden von Helsinki). Dann sind wir direkt in die dortige Musik-Akademie gefahren, haben geübt, gegessen, Zeit totgeschlagen und abends um 19.00 Uhr dann unser Konzert gespielt. Verantwortlich für den Austausch auf Estnischer Seite ist Mihkel Peäske gewesen, Flöten-Prof an der Akademie, Flötist im estnischen Nationalorchester sowie ehemaliger Student aus Karlsruhe. Wie klein die Welt doch ist! Wie waren im Anschluss mit Mihkel und seinen Studenten essen, wurden von ihnen in unsere Jugendherberge gefahren und rührend umsorgt. Am nächsten Tag hatten wir Zeit, auszuschlafen und uns in aller Ruhe die Stadt anzuschauen, bis dann am Abend das Boot zurück nach Helsinki fuhr. Tallinn war wirklich schön. Das Konzert lief gut, trotz Nervosität und die Leute waren so freundlich und aufgeschlossen.

Plakat von unserem "Flöödiklassi"-Konzert in Tallinn (kennt ihr Eva Dietzfelbinder schon :-D?)
beim Bummeln, gemeinsam mit den Mädels aus meiner Flötenklasse
Tallinn mit Frühlingsgrün

Zurück in Helsinki bekam ich Besuch von Meli aus Bonn. Wir waren im Zoo, auf Suomenlinna und hatten schöne 5 Tage zusammen. Außerdem hatte ich nochmals Konzert mit meiner Flötenklasse, dieses Mal im ehemaligen Sommerhaus "Tamminiemi" des Ex-Präsidenten von Finnland, Urho Kekkonen. Es ist entzückend. Hat eine bisschen spießige Atmosphäre, riecht nach alten Möbeln und spannenden Geschichten und vom Fenster aus sieht man aufs Meer. Präsidentengattin sollte man sein..

mit Meli beim Bootfahren

im Zoo

nach dem Konzert in Tamminiemi mit Matti, meinem Lehrer und Marja (4. v. rechts), unserer Pianistin

Weiter ging's mit dem Prüfungs-Vorspiel für Rei. Rei ist aus Japan, spielt himmlisch Cello und hatte im Mai sein Kammermusik-Examen. Dafür musste er mit mehreren Musikern Kammermusik aus verschiedenen Epochen spielen und wurde dabei von einer Jury, bestehend aus drei Professoren der Siba, bewertet. Ich habe mit Rei gemeinsam eine Sonate gespielt und wir haben sie in seinem Examen aufgeführt. Hat gut geklappt, er hat die Note 5 bekommen, was hier die beste Zensur ist und das Feedback der Jury war sehr gut.

mit Rei beim Kammermusik-Examen

Ein weiteres großes Happening im Mai war das Erasmus-Abschieds-Grillen am Strand. Wir beschlossen, bevor alle zurück in ihre Heimatländer fliegen, die Grill-Saison zu eröffnen und gleichzeitig den Strand einzuweihen. Mal abgesehen von den finnischen Würsten, die wirklich furchtbar schmecken, war es toll und schön, alle noch einmal zu sehen.

Dann flogen die ersten ab und es folgten die zweiten und dritten usw. Meine Mitbewohnerin Aneta flog zurück nach Polen, eine Woche später Maria nach Griechenland. Kati kehrte heim nach Ungarn, Cynthia in die Schweiz, Isabell ist wieder in Würzburg. Florian wieder in Wien, Flore in Clermont-Ferront. Hannah ist in England, Claudia in Zürich. Dani in Spanien, Eduardo auch, Jan ist zurück in Freiburg. So viele sind fort. Es ging wirklich rasant.
Ich werde einige von ihnen wieder sehen, darauf freue ich mich schon.
Es ist seltsam, wenn Menschen, die ich für gewöhnlich jeden Tag gesehen habe, nicht mehr da sind. Natürlich war ich nicht mit jedem hier dick befreundet. Nur gehörten sie alle einfach dazu. Ach ja...typisches Erasmus-Phänomen.

Picknick am Strand

mit Cynthia und Kati

Und so sieht's in Vuosaari am Strand aus

Mama kam zu Besuch in der letzten Mai-Woche. Es war herrlich, ich hab' einfach eine tolle Mutter :-) Wir haben viel in Helsinki angeschaut, auch Dinge die ich noch nicht kannte, wie den Zentral-Park (klasse. Rieeeeeesengroß und mitten in der Stadt). Gemeinsam mit ihr erlebte ich den ersten heißen Tag des Jahres, wir konnten, Achtung: im T-SHIRT draußen herumlaufen und haben SONNENBRAND bekommen. Mai, da schaugst...die Schönwetterphase hielt nicht lang an, aber immerhin.
Außerdem hatte ich Konzert gemeinsam mit meinem Streichtrio, bestehend aus Isi, Auroora und Paulina. Wir haben für ihr Kammermusikexamen ein Flötenquartett gespielt, in einer schönen kleinen Kirche mit super Akustik. Hach, es war so toll, ich habe es seit langem wieder richtig genossen, vorzuspielen.

mit Mama im Central-Park

mit meinem Streichtrio und Emiliano, dem zusätzlichen Bratscher, beim Konzert

Der Mai schloss mit den wärmsten Tagen in diesem Jahr und meinem Abschied von Vuosaari. Mein Vertrag bei HOAS endete am 31., also zog ich aus und ins CLAVIS, das Wohnheim für Musikstudenten, ein. Damit verbunden war, dass ich das "final cleaning" zu erledigen hatte. "Final Cleaning" bedeutet, dass Appartement so zu putzen, dass es an neue Mieter übergeben werden kann. Damit ja keine Missverständnisse aufkamen, schickte mir HOAS eine Liste mit Dingen, die ich auf jeden Fall zu säubern hätte, darunter Fenster, Möbel, Backofen, Kühlschrank.

Meine Vormieter hatten diesen Brief entweder nicht bekommen oder komplett missachtet. Ich entschied mich also dafür, so zu putzen, dass man auf den ersten Blick alles für sauber hält (worunter weder die Fenster noch der Backofen fallen). Offensichtlich kontrolliert HOAS die Reinlichkeit der Zimmer nicht, als ich im Januar einzog, fand ich in meinem Schrank Socken und Koffer von meinem Vormieter und im Kühlschrank vergammelte Milch und uraltes Brot.
Jedenfalls stand ich den gesamten Sonntag unter dem Eindruck vom "final cleaning"- armer Christian. Er fuhr mich und mein Gepäck freundlicherweise von Vuosaari nach CLAVIS und musste sich den ganzen Weg meine Tiraden über HOAS anhören. Ihm steht sein final-cleaning noch bevor...

Jetzt wohne ich also im CLAVIS, in Claudias Zimmer, die erst im September wieder kommt. Ich habe ein kleines Zimmer mit eigener Kochnische und Bad und bin in 10 Minuten im P-Gebäude der Siba. Praktisch, denn momentan habe ich jeden Tag Dirigierkurs. Nächsten Donnerstag haben wir alle, die am Kurs teilnehmen, Prüfung im Orchester-Dirigieren und wir befinden uns zurzeit in der heißen Probenphase. Ich dirigiere West Side Story und habe tolle Ohrwürmer. Und bekomme langsam ein Gefühl für den Button, den Dirigierstock, in meiner Hand und die 20 Augenpaare, die mich anschauen, wenn ich auf dem Pult stehe. Anfangs fand ich es furchtbar. Jetzt macht es mir richtig Spaß. Und ich bin froh über die Übung, denn irgendwann muss ich in Freiburg auch Prüfung machen. So lerne ich schon mal, wie es sich anfühlt, ein großes Orchester zu dirigieren.

Wie geht's weiter? Nach dem Dirigierkurs und der Prüfung werde ich auf Soumenlinna bei einem Festival arbeiten. Es heißt "Le Lumiere" und ist ein Musikfestival, bei dem nur alte Musik gespielt wird, auf alten Instrumenten und die Musiker haben alte Kostüme an. Dieses Jahr ist das Motto "Aufklärung" und es wird richtig toll, glaube ich. Marja, die Pianistin, mit der ich viel zusammen gespielt habe, organisiert das Ganze und hat mich gefragt, ob ich dort gerne arbeiten wollen würde.
Ich freu' mich wie ein kleines Kind, denn ich bin für die Kostüme verantwortlich und darf selber auch eins anziehen :-)
Nach Le Lumiere werde ich packen und dann heim fliegen. Noch ganz schön viel los in den letzten Tagen hier.

Ein paar Worte noch zum Wetter. Nachdem der Frühling lange auf sich hat warten lassen, war auf einmal alles grün und blühte und manchmal wärmte die Sonne auch ein bisschen. Dann war hier drei Tage lang Hochsommer, man konnte im Meer baden und am Strand liegen und ich bin barfuss gelaufen. Die letzten 4 Tage lang hat es durchgeregnet und es waren noch ca. 10 Grad. Jetzt fängt es an, zu trocknen, ist aber weiterhin kalt.
Die Finnen sagen, das ist normal...ich weiß ja nicht.
Was toll ist, ist, dass es ganz ganz langsam dunkel wird und nur von 12 bis 3 Uhr nachts bleibt. Ansonsten ist hier total intensives, helles Licht. Bin mal gespannt, ob mir der Sommer in Deutschland so gut tun wird, bestimmt finde ich es zu dunkel ;-)

da war es noch warm...

ich war immerhin mit den Füßen drin; mit Julia und Christian am Strand


Das war warscheinlich mein letzter Eintrag (wobei, vielleicht schreibe ich noch was vom Festival. Und davon, wie es mir mit dem wieder-einleben geht ;-).

Macht's ganz gut, ihr Lieben. Bald bin ich zurück und ich freu' mich darauf, euch alle wieder zu sehen!

Hier noch ein echter, finnischer Sonnenuntergang...


Liebe liebe Grüße,
Eva





2 Kommentare:

  1. DER PFAU WAR DER HAMMER :D

    AntwortenLöschen
  2. Waren dort nur Quöör-Flöödis oder auch Blööck- und Picölöö-Flöödis

    AntwortenLöschen