Mein letzter Eintrag ist schon eine ganze Weile her, eine Woche fast. Es ist so viel passiert, ich probiere, mich kurz zu fassen und fange am Besten mal von hinten an, also mit heute.
Heute war toll. Moshe Aron Epstein, ein Flötenprofessor aus Hamburg, ist seit heute in Helsinki und gibt einen Meisterkurs für Siba-Studenten (mehr zu ihm hier: http://www.maepstein.de/). Ich bin nicht aktiv dabei, also ich werde nicht von ihm unterrichtet, aber ich war heute zuhören und habe dabei auch einige Flötenstudenten aus anderen Klassen kennengelernt. Diejenigen, die ich gehört habe, spielen wirklich toll und Epstein hat auch eine interessante Art zu unterrichten. Die ganze Atmosphäre, die Musik, der Raum, waren wunderschön.
Dann bin ich los zu meiner dritten Sitzung Finnisch-Sprachkurs. Neben dem Wort in der Überschrift habe ich bis jetzt gelernt, eine ordentliche Unterhaltung zu führen á la: Hallo (Moi/Hei/Terve) ich heiße Eva (minä olen Eva) und komme aus Deutschland (ja olen Saksasta). Zahlen kann ich, Farben lerne ich, Wochentage, Monate, dazu kommen Verben undundund...das Tempo ist mega flott. Und Finnisch ist unbeschreiblich. Es gibt 30(!) Fälle. Jedes Verb ist unregelmäßig. Klingt spannend, nech? Unbeschreiblich ist auch die Finnisch-Lehrerin, die Doktorantin an der Uni von Helsinki ist, in Amerika studiert hat und ihre Promotion über Hip-Hop-Texte schreibt. Sie war mir gleich sympatisch :-) Ich probiere auf jeden Fall, die Basics zu pauken, auf dass ich mich ein bisschen verständigen kann. Mein Ziel ist es, die Werbung in der Metro zu verstehen, Briefmarken zu kaufen, ohne Englisch zu reden und vor allem die Schilder mit Wegbeschreibungen zu verstehen. Ich kann schon etwas zu trinken bestellen, das ist ganz einfach, weil die Finnen keine Höflichkeitsfloskeln wie 'Bitte' kennen und den Konjunktiv kaum benutzen. Stattdessen sagen sie einfach immer 'kiitos', was 'danke' heißt. "Ich möchte einen Kaffee, bitte" heißt dann: "yksi kahvi kiitos" (ausgesprochen: üksi kachvi, kiiiiitos).
Letzte Woche war ich zum ersten Mal in der Finlandia und habe mir ein Sinfonie-Konzert angehört. Und tatsächlich durfte ich umsonst rein, weil ich an der Siba studiere. Das Konzert war toll, zu hören gab's Schönberg Kammersinfonie, Tschaikowski Violinkonzert und Brahms Sinfonie Nr. 4. Der Saal ist schon beeindruckend und ich habe vor, öfters hinzugehen.
Auch ein Erlebniss letzte Woche: Fitness auf Finnisch. Ich habe ja geschrieben, dass ich mich beim Uni-Sport angemeldet habe und letzte Woche habe ich 'Afro-Dance' probiert. Öfter mal was Neues :-) beschreiben lässt sich das so: Aerobic mit Reggae-Musik und Hawai-Hüftschwung. Dazu eine hippe Trainerin, die unheimlich lässig steppen kann und nur Finnisch spricht. Wobei das nicht schlimm ist, weil ja eh' alle das Gleiche machen. Zwischendurch kamen immer wieder afrikanische Gesangseinlagen, die sie vor- und wir nachgesungen haben und Trommelrhytmen zum mitsprechen (räng-ge-deng-ge-degge-deng-deng-deng). Herrlich. Besonders toll am Uni-Sport ist der Gang in die Sauna hinterher.
Ich mag die Finnen. Diejnigen, die ich bisher kennengelernt habe, waren fast ausschließlich ganz arg freundlich, hilfsbereit, höflich und geduldig. Und sie haben die Ruhe weg. Hier ist meiner Meinung nach viel weniger Hektik in den Straßen. Wie schon geschrieben, stimmt das Klischee des trinkenden Finnen-ich treffe jedesmal im Nachtbus auf jene, wobei ich dabei wunderbare Erlebnisse hatte. Freitag Nacht zum Beispiel saß neben mir ein Finne und seine Freundin, beide sehr gut drauf. Sie hat irgendwann geschlafen, er konnte sich garnicht mehr beruhigen vor Begeisterung neben einer echten, richtigen Deutschen zu sitzen und war dabei so mitteilungsfreudig, dass irgendwann alle um mich herum Deutsch gesprochen haben.
In der Siba kehrt so langsam der Alltag ein. Ich bin meistens morgens zum Üben da und bleibe bis Nachmittags. Die Mensa ist richtig gut, ganz toll: das Salatbuffet und die Brot-Bar mit frischgebackenem Kürbiskernbrot. Und ein Menü für 2,50 ist wirklich in Ordnung und auch leistbar. Essen hier ist ansonsten so teuer...mein Flötenunterricht bei Matti Helin ist gut. Ich kann noch nicht allzuviel schreiben, weil ich bis jetzt erst zweimal hatte, aber bis jetzt habe ich ein sehr gutes Gefühl und Spaß am Spielen und Üben.
Es hat viel geschneit in letzter Zeit, aber heute auch angefangen zu tauen. Das Meer ist auch nicht mehr so dick zugefroren und es ist auch nicht kalt. Es ist einfach Matschwetter. Ich habe die Sonne seit einer Woche nicht mehr gesehen, stattdessen ist der Himmel immer grau, siehe Bild unten.

Das war heute Mittag um 4, kurz bevor es angefangen hat zu dämmern. Mir schlägt das auch ein bisschen auf die Stimmung und ich sehne mich nach ein bisschen mehr natürlichem Licht. Aber die Luft ist toll.
Hier sind noch zwei Bilder von Helsinkis' Innenstadt:


Und so sieht's bei mir im Wohngebiet aus, wenn man nachts aus dem Nachtbus steigt.

Das nächste Bild zeigt nicht etwa die frühen Malversuche der ersten Finnen an Höhlenwänden, sondern den ansonsten recht hässlichen unterirdischen Gang zur Metro.


Soviel erstmal, ich schreibe bald wieder. Ganz liebe Grüße,
Eva

"...ich probiere, mich kurz zu fassen" das hat ja gut geklappt *lol*
AntwortenLöschenSchön dass es dir gut geht!
Ich schick Dir ein paar Sonnenstrahlen (wobei hier auch nicht so viel Strahlen sind).
Ich drück Dich!
Christian